Tiefsee – Was lebt in der Finsternis der Meere?
Ozeane bilden einen entscheidenden Bestandteil der Erdoberfläche. Dabei gelten die größten Teile der Meere als Tiefsee. Doch was spielt sich in diesen kaum vorstellbaren Tiefen ab, die so faszinierend und doch so schlecht erforscht sind?
Ungemütlich – Hoher Druck und niedrige Temperaturen
Ab einer Tiefe von 8.000 Meter ist die Rede von der Tiefsee. Der tiefste Punkt im Meer befindet sich im Marianengraben in 11.034 Metern Tiefe. Die Lebensbedingungen in solchem Umfeld sind extrem – die Temperatur beträgt fast überall lediglich zwei bis drei Grad Celsius. Hinzu kommen die Dunkelheit und der hohe Druck, der dort unten vorherrscht. In 10.000 Metern Tiefe beträgt das Gewicht, das auf einem Quadratzentimeter lastet etwa eine Tonne.
Es gibt doch Leben dort unten!
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts ging man auch davon aus, dass ein Leben in solchen Tiefen nicht möglich sei und nicht existiere. Erst 1869 lieferte eine Expedition der H.M.S. Porcupine den Gegenbeweis.
Jedoch nimmt die Zahl der Lebewesen mit zunehmender Wassertiefe ab, was jedoch nicht bedeutet, dass man hier wenige Arten antreffen würde. Viele von diesen bestechen durch ein beinahe absurdes Aussehen.
Viele hunderttausende Arten sind unidentifiziert
Besonders auf dem Meeresboden tummeln sich viele verschiedene Arten – bisher konnte man nur 200.000 von ihnen identifizieren. Auch die tiefsten Punkte des Meeres – die Tiefseegräben – werden bevölkert. Vor allem Muscheln, Borstenwürmer und Seegurken, die in 4.000 Metern Tiefe etwa die Hälfte aller dort lebenden Tiere bilden, sind hier heimisch.
Kein Licht, wenig Nahrung
Weil in die Tiefsee kaum Licht vordringt, ist auch eine Photosynthese unmöglich, was dazu führt, dass hier lebende Tiere auf organisches Material der höheren Meeresschichten angewiesen sind. Davon gelangt allerdings nur ein Prozent auf den Meeresgrund.
Deshalb müssen viele der Lebewesen sich abends in höhere Wasserschichten begeben, um ihr Überleben zu sichern. In diesen finden sie wegen der höheren Lichtintensität mehr Nahrung auf, welche sie zu sich nehmen und dann in die tiefen Schichten zurückkehren. So findet ein Energietransport statt.
Tierkadaver – ein Festmahl
Ein besonders gutes Nahrungsangebot gibt es immer dann, wenn ein größeres Tier der oberen Wasserschichten stirbt und dessen Kadaver bis auf den Grund gelangt. Dieser wird dann von Aasfressern, zu denen Krabben, Aale und Riesenasseln zählen, bis auf das Skelett verspeist.
Ein Leben in Dunkelheit
Doch die Dunkelheit erschwert den Tiefseetieren nicht nur die Suche nach Nahrung, sondern auch das allgemeine Leben. Doch viele von ihnen sind daran sehr gut angepasst. Manche verfügen über große und sehr empfindliche Augen, um so den geringen Lichteinfall optimal wahrnehmen zu können. Diese Strategie setzt der Koloss-Kalmar wohl am extremsten um – mit Augen, größer als Fußbälle.
Körpereigenes Licht – keine Seltenheit
Andere Arten hingegen zählen zu den biolumineszent leuchtenden Organismen, die in der Lage sind eigenes Licht zu produzieren. Man nimmt an, dass es sich um 90 Prozent der Lebewesen handelt, die über diese Fähigkeit verfügen.
Diese ist wichtig zur Tarnung, zum Irritieren von Feinden oder zum Anlocken von Beutetieren sowie potenziellen Fortpflanzungspartnern.
Ein besonders bekanntes Exemplar, das sich solcher Fähigkeiten bedient, ist der Anglerfisch, der mit seinem biolumineszent leuchtenden Fortsatz am Kopf Beute zu sich leitet. Viele Tiere lauern ihrer Beute auf, anstatt sie aktiv zu jagen, um so ihren Energieverbrauch zu regulieren, da ja auch die Energiezufuhr nur gering ist.
