Ob jemand eher für das Tanzen oder Turnen geschaffen ist, hängt ganz von dem im Gehirn befindlichen Botenstoff ab. Dieser regelt, ob eine Person schnell schwierige Bewegungsabläufe erlernen kann. Diese neue Forschungserkenntnis könnte für Schlaganfall-Patienten von großer Bedeutung sein.
Der Botenstoff, der auch als Gaba bezeichnet wird, ist dafür verantwortlich, ob jemand schnell und ohne große Probleme einen komplizierten Bewegungsablauf erlernen kann. Zwei britische Wissenschaftlerinnen zeigten vor Kurzem, dass Gaba eine sehr wichtige Rolle beim Erlernen von Bewegungen spielt.
Botenstoff im Gehirn – Schneller lernen mit weniger Gaba
An der Studie nahmen zwölf Probanden teil. Die Forscherinnen konnten zeigen, dass die Probanden, bei denen das Gaba-Level bei einem äußeren Reiz schneller sank, generell bessere Lernleistungen erbringen.
Zudem scheint die Ausgangssituation bezüglich des Gaba-Levels eine große Rolle zu spielen. Studienteilnehmer, die generell ein hohes Gaba-Level aufwiesen, taten sich mit dem Lernen schwerer. Damit konnten die Wissenschaftlerinnen nachweisen, dass das Gaba-System für das Lernen und Erinnern entscheidend ist.
Hemmung der Weiterleitung von Signalen im Gehirn
Dieser Botenstoff unterdrückt die Weiterleitung von im Gehirn ausgeführten Signalen und hat einen großen Einfluss auf die Anpassungsfähigkeit (Plastizität) des Gehirns. „Da auch der Vorgang des Lernens auf einer Veränderung des Gehirns beruht – schließlich knüpft es dabei neue Verbindungen zwischen Nervenzelle und verstärkt vorhandene – vermuteten die britischen Forscherinnen, dass Gaba auch für individuelle Unterschiede beim Lernerfolg verantwortlich zeichnet.“
Demnach gehen die Forscherinnen davon aus, dass der Lernerfolg einer Person vom Gaba-System abhängig ist.
Magnetresonanztherapie (MRT) des motorischen Kortex
Um diese Annahme zu beweisen, haben die Forscherinnen zwölf Probanden in eine Studie eingebunden und deren Gaba-Konzentration im Gehirn mittels Magnetresonanzspektroskopie gemessen. Dabei konzentrierten sie sich auf den motorischen Kortex, der für das Erlernen von Bewegungsabläufen von Bedeutung ist. Nach einer ersten Messung wurden den Teilnehmern Elektroden auf dem Kopf platziert, die eine sehr niedrige Stromdosis erzeugten. Die Methode, die auch als transkranielle Gleichstrombehandlung bezeichnet wird, sorgt dafür, dass der Gaba-Gehalt im Gehirn gesenkt wird.
Im Anschluss maßen die Forscherinnen wiederum den Gaba-Gehalt im Gehirn der Teilnehmer und konnten anhand der Differenz der Konzentrationen Rückschlüsse auf die jeweiligen Gaba-Systeme der Teilnehmer ziehen.
Mögliche Therapie für Schlaganfall-Patienten
Insgesamt konnten die Forscherinnen zeigen, dass eine hohe Gaba-Konzentration im Gehirn mit einem langsamen Lernprozess einhergeht. Zudem konnte sie beweisen, dass bei den langsamen Lernern das Gehirn generell weniger aktiv ist. So folgerten die Forscherinnen, dass „die Empfindlichkeit des Gaba-Systems auf äußere Reize der Schlüssel für erfolgreiches Lernen“ ist.
Die Erkenntnisse könnten für Schlaganfall-Patienten von großer Bedeutung sein, da bei ihnen das Gaba-System nicht mehr im Gleichgewicht ist. Die Forscherinnen vermuten, dass die transkranielle Gleichstrombehandlung das System wieder stabilisieren könnte.
