Elektro-Autos zu leise? Kunstlärm soll Fußgänger warnen
Elektro-Autos produzieren kaum Geräusche, was sowohl als Segen aber auch als Fluch betrachtet werden kann. So bringen die fast geräuschlosen Fahrzeuge eine Gefahr für Fußgänger mit sich, da sich diese oftmals an den Geräuschen orientieren.
Im Besonderen kann dieser Umstand für Kinder zu einem Problem werden, da diese gelernt haben, dass Autos Lärm verursachen. Sollte beim Spielen der Ball auf die Straße rollen, kann dies schlimme Konsequenzen mit sich bringen, da die Kinder möglicherweise aufgrund der fehlenden Geräusche unbedacht auf die Straße laufen und somit die erhöhte Gefahr eines Verkehrsunfalls besteht. Aber auch für Sehbehinderte stellt dieser Umstand eine Gefahr dar.
Elektro-Autos – Künstlicher Lärm soll vor Unfällen schützen
Das Bundesverkehrsministerium hat beschlossen, dass Elektro-Mobile und Hybridfahrzeuge mit künstlichem Lärm ausgestattet werden sollen, um so für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen. Bei einer niedrigen Geschwindigkeit von bis zu 20 km/h sind die Fahrzeuge so gut wie geräuschlos, womit für Passanten eine „wichtige akustische Information“ wegfällt.
Aus diesem Grund hat sich das Bundesverkehrsministerium dafür eingesetzt, dass ab Sommer eine neue Regelung zur künstlichen Lärmerzeugung bei Elektro-Autos und Hybriden in Kraft treten soll.
Diskussion um künstlichen Lärm
Die betroffenen Fahrzeuge – wie zum Beispiel der Tesla-Roadster, sollen demnach mit einem System ausgestattet werden, das vom Start bis zum Erreichen einer Geschwindigkeit von 20 km/h Geräusche produziert. Experten gehen davon aus, dass die Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit über 20 km/h ausreichend Lärm produzieren.
Die künstlichen Geräusche sollen den Passanten darüber Auskunft geben, ob das Fahrzeug schneller wird, abbremst oder sich mit einer konstanten Geschwindigkeit fortbewegt. Um etwaige Verwechselungen auszuschließen, ist es untersagt, Geräusche wie Klingeln, Hupen oder Sirenen zu verwenden. Aber auch Geräusche von Tieren und Insekten sind tabu.
Minister Ramsauer sagte, dass die Fahrzeuge trotzdem leise, aber sicher sein sollen. Daher soll der Lärmpegel nicht über dem herkömmlicher Fahrzeuge liegen.
Umstellung im Verkehr
Im Gegensatz zu den lauten Verbrennungsfahrzeugen nehmen unmotorisierte Verkehrsteilnehmer Elektroautos praktisch als geräuschlos wahr. Experten gehen allerdings davon aus, dass sich dies mit steigender Zahl der leisen Fahrzeuge ändern wird. „Es wird künftig wichtiger, den Verkehr aufmerksam zu beobachten, also gut zu gucken“. Durch aufmerksames Hören und Beobachten sollen sich Fußgänger und Radfahrer im Straßenverkehr umstellen.
Das erhöhte Unfallrisiko durch eine Verminderung dürfte für Menschen mit Sehbehinderung zu einem noch größeren Problem als bisher werden. Experten bestätigen, dass das ansteigende Unfallrisiko aufgrund der reduzierten Lärmproduktion ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellen kann. Aber gleichzeitig betonen sie, dass Lärm oft zu gesundheitlichen Schäden führt. Aus diesem Grund sind in erster Linie die PKW-Produzenten sowie die Zulassungsstellen gefordert, da von ihnen spezielle Lösungen zur Unfallvermeidung erwartet werden.
Die entsprechenden Techniken sind bereits erprobt und auch schon erhältlich. Dazu zählen Systeme, die den Fahrer eines leisen PKW warnen, wenn ein Fußgänger unvorhergesehen die Straße betritt. In diesem Fall leitet das System ein automatisches Ausweichmanöver ein. Aber auch Abstandswarner haben sich bewährt und können demnach zur Unfallvermeidung eingesetzt werden.
