Bioethik: Menschliche Zellen im Tier
Ist es legitim Mensch und Tier um des medizinischen Fortschritts Willen miteinander zu kreuzen? Die Forschung übt bereits seit längerem Experimente mit Mischwesen aus. Vom Deutschen Ethikrat kam nun vor kurzem eine Empfehlung zu diesem Thema, das die Gemüter erhitzt.
Bei der Forschung, bei der menschliche Gehirnzellen in den tierischen Organismus übertragen werden, legt der Ethikrat großen Wert darauf, dass die Kontrolle – insbesondere bei Experimenten mit Primaten – groß ist. Begründen tut man das vor allem durch die enorme Bedeutung, die dem Gehirn bei der Unterscheidung zwischen Menschen und Tier zukommt. In Deutschland gibt es derzeit jedoch keine ethisch bedenklichen Entwicklungen.
Den Tierschutz beachten
Bereits seit Jahrzehnten wird mit Mäusen geforscht, denen man menschliche Krankheitsgene einpflanzt. Vor allem Alzheimer und Parkinson werden auf diese Weise untersucht. Forschungen dieser Art hält man seitens des Ethikrats für ethisch statthaft, wenn folgende Bedingungen gegeben sind: Das Forschungsziel muss hochrangig sein und der Tierschutz muss beachtet werden.
Eine Erweiterung des Embryonenschutzgesetzes
Durch das Embryonenschutzgesetz werden bereits viele Dinge ganz gut geregelt, so beispielsweise die Mischwesen-Problematik. So wird in dem Gesetz das Verbot festgehalten, menschliche Embryonen in Tiere einzupflanzen.
Diese Grenze soll nach Berichten der “Berliner Zeitung” nun noch erweitert werden, indem man anstrebt auch die Übertragung tierischer Embryonen auf den Menschen sowie die Einspeisung tierischen Materials in den menschlichen Erbgang zu verbieten. Zudem sollen auch Verfahren, bei denen man menschliche Ei- und Samenzellen in tierischen Organismen bildet, verhindert werden.
Zybride spalten die Meinungen
Eine Methode zur Bildung von Mensch-Tier-Mischwesen sorgt beim Ethikrat jedoch für auseinander gehende Meinungen: Zybride. Dies sind tierische Eizellen, dessen Zellkern man durch einen menschlichen ersetzt hat. So plante man 2008 in Großbritannien Eizellhüllen von Kühen mit Zellkernen des Menschen zu verbinden.
Diese Embryonen wollte man heranwachsen lassen um Stammzellenproben entnehmen zu können. Stammzellen sollen dazu genutzt werden, um Ersatzgewebe zu gewinnen, welches zur Behandlung von z.B. Hirnkrankheiten und Herzleiden beitragen soll.
Bioethik: Zybride gänzlich verbieten?
So wie die Gesetzeslage momentan in Deutschland aussieht, sind Zybrid-Experimente genehmigt. Darüber ist man sich auch innerhalb des Ethikrates einig. Strittig ist jedoch die Zukunft: So will man mit einer Stimme Mehrheit alles beizubehalten, während die knappe Minderheit ein gänzliches Verbot der Herstellung von Zybriden fordert.
Worin man sich dann jedoch wieder einig ist, ist die Ansicht, dass Zybride unter keinen Umständen den Weg in eine menschliche oder tierische Gebärmutter finden dürfen.
Man sollte jedoch stets im Auge behalten, dass größere Eingriffsmöglichkeiten auch größere Risiken des Missbrauchs mit sich bringen.
